Mein persönlicher Blick auf die PISA-Studie

Mein persönlicher Blick auf die PISA-Studie. Und warum das Zahlenland etwas bewirken kann.

Kurz zusammengefasst: In diesem Artikel schreibe ich über die aktuellen PISA-Ergebnisse, meinen persönlichen Bezug dazu seit 2001, und ich lade Sie dazu ein, die Zahlenlandideen für Schulkinder kennenzulernen.

Liebe Zahlenfreunde,

die aktuelle PISA-Studie mit den Daten aus 2025 misst für die deutschen 15-Jährigen in allen Bereichen die niedrigsten Punktwerte, die je für Deutschland gemessen wurden. Und: Nur fünf von 90 Ländern schneiden bei der Chancengerechtigkeit noch schlechter ab als wir: In Deutschland lassen sich 19 % der Leistungsunterschiede statistisch durch den familiären Hintergrund eines Jugendlichen ableiten. Im OECD-Durchschnitt sind es 12 %. Doch dieser erneute „PISA-Schock“ ist nicht der erste.

Der erste PISA-Schock und das Zahlenland

Als mein Vater Gerhard Preiß im Jahr 2002 seine Zahlenlandideen erstmals in Kindergärten erprobte, traf dies auf eine „geschockte“ Öffentlichkeit. Im Dezember 2001 war die erste PISA-Studie erschienen, und sie hatte eine schmerzhafte Kluft offengelegt: zwischen dem deutschen Selbstbild als traditionsreiche Bildungsnation und einer Realität im hinteren OECD-Mittelfeld. Am schmerzhaftesten war der Befund, dass in kaum einem anderen Industrieland die soziale Herkunft so stark über den Bildungserfolg entschied wie in Deutschland.

Wie kann man dem entgegen wirken? Einer der wirksamsten Hebel für Bildungschancen ist die frühkindliche Bildung. Die Öffentlichkeit interessierte sich plötzlich stark für die Ideen meines Vaters für eine mathematische Bildung im Kindergarten. Der SPIEGEL schrieb 2002 über das Zahlenland: „Kindgerechter kann Zahlenlehre kaum sein.“

Und so hat die erste PISA-Studie mein Leben geprägt: Ich habe angefangen, meinen Vater bei der Aufbereitung seiner Ideen zu unterstützen, und 2004 haben wir gemeinsam den Verlag und das Fortbildungsinstitut Zahlenland Prof. Preiß gegründet. Seither leite ich diese. Und wie ging es mit PISA weiter?

PISA-Studie: Erst aufwärts, dann abwärts

In den Jahren nach 2001 konnte Deutschland durch gezielte Reformen die Lage verbessern: der Anteil der leistungsschwachen Jugendlichen in Mathematik sank von 21,6 % im Jahr 2003 auf ca. 18 % im Jahr 2012, und war damit deutlich besser als der OECD-Durchschnitt von 23 %.

Seit dem Testjahr 2015 sinken allerdings in fast allen OECD-Ländern die gemessenen Kompetenzen der 15-Jährigen in Sprache und Mathematik kontinuierlich und deutlich. Warum gibt es diesen allgemeinen, internationalen Abwärtstrend?

Ein Faktor ist sehr wahrscheinlich: Mobile Endgeräte haben den Lebensalltag verändert. Im Jahr 2013 wurden erstmals weltweit mehr Smartphones als traditionelle Handys verkauft, und der Absatz von Tablets explodierte. Offensichtlich erschweren uns diese technologisch getriebenen Veränderungen den Erwerb sprachlicher und mathematischer Kompetenzen. Und es ist klar, dass die rasante Verbreitung künstlicher Intelligenz unsere Lebens- und Lernwelten weiter verändern wird. Dabei hoffe ich jedoch, dass die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz dazu führen wird, dass wir unsere eigene, die natürliche Intelligenz wieder mehr wertschätzen und in den Blick nehmen. Mein Kind soll glücklich und „natürlich schlau“ sein!

Einer der stärksten Motoren für die Entwicklung kognitiver Kompetenzen ist die mathematische Bildung in der frühen und mittleren Kindheit, also im Kindergarten und in der Grundschule.

Natürlich schlau mit dem Zahlenland im Kindergarten

Seit dem Jahr 2002 hat Zahlenland Prof. Preiß mit einem Netzwerk von rund 20 Referentinnen und Referenten in über 5500 Veranstaltungen Fachkräfte darin fortgebildet, wie eine mathematische Bildung ganzheitlich gestaltet werden kann. Dabei zeigt sich doch stets: Eine mathematische Bildung, die wirklich kindgerecht ist, ist kein Hexenwerk. Man kann sich schlau machen, worauf es ankommt, und die eigene Freude an den Zahlen stärken. Mit den Projekten Entenland, Zahlenland und Zahlenwald von Prof. Preiß öffnet sich Kindern früh der Zugang zu den Zahlen auf natürliche Weise.

Damit jedoch aus diesem frühen Zugang ein stabiles Fundament für mathematische Kompetenz entsteht, muss der Lernweg stetig gut verlaufen. Internationale Studien zeigen immer wieder, dass harte institutionelle Brüche in einem Bildungssystem dem Ziel der Chancengerechtigkeit schaden. In Deutschland sind Kindergarten und Grundschule sehr stark getrennt. Aber es ist notwendig, institutionenübergreifend an einem Strang zu ziehen, damit die Bildungsanstrengungen auch zu deutlich mehr Bildungschancen führen.

Die lehrreiche Reise durch das Zahlenland muss für die Kinder mit dem letzten Kindergartenjahr nicht zu Ende sein.

Das Zahlenland für Grundschulkinder: Alle kommen mit. Alle kommen an.

„Alle Kinder kommen mit. Alle kommen an.“ So lautet das Motto des Preiß’schen Konzepts für den Anfangsunterricht in Mathematik. Es ergänzt den am Mathematikbuch orientierten Unterricht um Erlebnisstunden, die geprägt sind von Bewegung, Sprache, Anschauung und Fantasie.

„Es gehört zum Konzept des Zahlenlands für Grundschulkinder, das Lernen möglichst natürlich zu gestalten“, sagt Gerhard Preiß. „Natürliche Begleiter des Lernens sind körperliche Bewegung und ein soziales Umfeld, die zusammen geeignet sind, die Seele zu erregen und Freude zu machen.“

Ich möchte Sie herzlich dazu einladen, die Zahlenlandideen für Kinder in der ersten Klasse kennenzulernen. Am Dienstag, dem 29.09. und Dienstag, dem 27.10.2026 biete ich von 15:30 bis 18:00 Uhr erneut den kostenlosen Online-Workshop „Impulse für den Anfangsunterricht Mathematik. Bewegen · Verstehen · Ankommen“ an: weitere Informationen.

Im letzten Workshop schrieb die Lehrerin einer Startchancenschule:

„Ich freue mich, dass es ein ganzheitliches Herangehen an die Zahlen ist. Genau so etwas habe ich mir gewünscht.“

Gute Reise ins Zahlenland!

Gabi Preiß

Bad Camberg im September 2026.