Was Zahlenland-Kinder mit in die Grundschule nehmen

Was Zahlenland-Kinder mit in die Grundschule nehmen

Kurz zusammengefasst: Was in den Zahlenland-Projektwochen entsteht, wirkt weit über den letzten Kindergartentag hinaus. In diesem Artikel schaue ich auf das, was Zahlenland-Kinder mit in die Grundschule nehmen und darauf, wie dieses Lernen im Anfangsunterricht in Mathematik weitergehen kann.

Liebe Zahlenfreunde,

„Man merkt, welche Einrichtungen mit dem Zahlenland arbeiten.“ Das haben Kooperationslehrkräfte aus Grundschulen dem Kindergarten Wirbelwind in Salach zurückgemeldet, positiv gestimmt darüber, dass die Einrichtung das Zahlenland integriert hat. Sätze wie dieser erreichen mich immer wieder.

Und das ist wichtig: Was in Ihrer Einrichtung passiert, wirkt weiter.

Was bleibt, wenn die Zahlenland-Wochen vorbei sind?

Die Kinder, die mit Ihnen das Zahlenhaus gebaut, den Zahlenweg gelegt und die Zahlenländer bereist haben, nehmen mehr mit als Zählkompetenz. Sie haben Zahlen mit den Händen begriffen, mit den Füßen erlaufen, mit Worten beschrieben. Diese Erfahrungen setzen sich fest, auch wenn das konkrete Zahlenland-Projekt längst vorbei ist.

Ein Familienzentrum gibt Rückmeldungen aus den Familien weiter: „Eltern berichten, dass die Kinder ein besseres Zahlenverständnis haben“ (Evangelisches Familienzentrum Emmaus). Das sind keine abstrakten Lernziele. Kinder erzählen zu Hause von den Zahlen, weil sie ihnen im wahrsten Sinne des Wortes begegnet sind.

Beginnen diese Kinder im Mathematikunterricht wirklich nicht bei Null?

Zahlenland-Kinder haben eine Vorstellung von Zahlen, von ihrer Ordnung und von ihren Anwendungen, bevor die erste Matheseite aufgeschlagen wird. Sie beginnen den Mathematikunterricht nicht bei Null.

Nathalie Kohlhaas, Head of Preschool an der German International School Chicago, beschreibt es so: „Die Kinder nehmen ihr Zahlenland als eine spannende, fantastische und zu pflegende Welt wahr.“ Eine Welt, der Kinder mit Neugier und Selbstvertrauen begegnen. Das ist eine der wertvollsten Mitgaben, die ich mir für den Schulanfang vorstellen kann.

Drei Erfahrungsfelder tragen dieses Fundament:

  • Das Zahlenhaus: ein breiter Zahlbegriff, der weit über das Benennen von Ziffern hinausgeht.
  • Der Zahlenweg: eine Ordnung der Zahlen, die im Körper sitzt, nicht nur im Kopf.
  • Die Zahlenländer: Zahlen als Teil der erlebten Wirklichkeit, in Natur, Alltag und Geschichten.

Kann die Schule dieses Lernen fortsetzen?

Der Mathematikunterricht der ersten Klasse tickt meist anders als der Kindergartenalltag. Der feste Sitzplatz ersetzt die freie Bewegung. Die Aufgabe beginnt häufig mit Zahlen und Zeichen, nicht mit einer Handlung. Für viele Kinder ist das ein harter Schnitt.

Doch dieser harte Schnitt zwischen dem natürlichen Lernen im Kindergarten und dem schulbuchorientierten Mathematikunterricht muss nicht sein. Der Anfangsunterricht in Mathematik kann die Vorerfahrungen der Kinder aufgreifen und weiterführen, mit Handlung, mit Sprache, mit Bewegung, so wie sie es aus dem Kindergarten kennen. Es gibt einen Unterschied zwischen einem Unterricht, der Kinder abholt, und einem, der bei Null anfängt, obwohl viele Kinder längst weiter sind.

Was bedeutet es für ein Kind, wenn die erste Stunde in Mathematik nicht Verunsicherung auslöst, sondern Wiedererkennen und Stolz?

Macht das Kita-Zahlenland die Unterschiede zwischen den Kindern nicht noch größer?

Diese Sorge möchte ich hier aufgreifen. Nicht alle Kinder einer ersten Klasse haben das Zahlenland besucht, und nicht alle Kitas sind gleich weit gereist. Genau das war vor 20 Jahren die Sorge einiger Schulen. Sie wollten den Kitas das Zahlenland am liebsten „verbieten“, aus Angst, der Mathematikunterricht werde vorweggenommen und die Unterschiede in der Klasse würden größer. Diese Sichtweise ist heute zum Glück ausgestorben. Wer sich mit dem Zahlenland beschäftigt, erkennt schnell: Es geht nicht um Vorsprung, sondern um ein Fundament, auf dem Verständnis für Mathematik aufbaut. Je mehr Kinder dieses Fundament mitbringen, desto mehr Kinder profitieren, und desto besser gelingt der Einstieg in den Mathematikunterricht für die ganze Klasse.

Die Reise geht weiter

Was Sie den Kindern mitgegeben haben, muss mit dem letzten Kindergartentag nicht enden. Das Zahlenland gibt es auch für Grundschulkinder, für den Anfangsunterricht der ersten Klasse, mit den Grundgedanken, die Sie schon aus dem Kita-Zahlenland kennen:

  • Alle Kinder kommen mit und alle Kinder kommen an.
    Jedes Kind wird gleichwertig mitgenommen, unabhängig vom eigenen Tempo.
  • Bewegung ist klug und tut gut.
    Das Zahlenland für Grundschulkinder setzt Bewegung gezielt für den Aufbau des Zahlbegriffs und der Rechenkompetenz ein. Mathematik wird mit dem ganzen Körper erlebt.
  • Kein Kind lernt einsam, alle lernen gemeinsam.
    Die Kinder lernen in der gleichen Situation, aber jedes in seiner Entwicklungszone.

Wir arbeiten daran, dieses Angebot weiter auszubauen, und werden in den kommenden Wochen mehr davon berichten.

Bis dahin: Danke, dass Sie mit den Kindern diese erste Reise ins Zahlenland unternommen haben. Sie ist nicht vorbei.

Gute Reise ins Zahlenland!

Gabi Preiß

Bad Camberg im Juli 2026.

Gabi Preiß ist Verlegerin und Leiterin des Fortbildungsinstituts Zahlenland Prof. Preiß. Sie führt das Werk ihres Vaters, Professor Gerhard Preiß, weiter.