Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Sprechen wir über die natürliche Intelligenz unserer Kinder.

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Sprechen wir über die natürliche Intelligenz unserer Kinder.

Liebe Zahlenfreunde,

alle reden über künstliche Intelligenz. Wir investieren Milliarden, um sie weiterzuentwickeln. Aber wer redet über die natürliche Intelligenz unserer Kinder?

In diesem Beitrag möchte ich über Intelligenz sprechen. Über das, was im Kopf eines Kindes passiert, wenn es gemeinsam mit anderen im Zahlenland ist. Und ich möchte die Frage stellen: Unterstützen die Projekte von Prof. Gerhard Preiß die natürliche Intelligenz von Kindern?

Dieser Beitrag soll Rückenwind geben. Denn wer mit dem Zahlenland arbeitet, leistet für die kognitive Entwicklung von Kindern mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist.

Warum spricht die Pädagogik nicht über Intelligenz?

Die Pädagogik macht seit Jahrzehnten einen großen Bogen um den Begriff Intelligenz. In Deutschland war Intelligenzmessung historisch eng mit Selektion und Ausgrenzung verknüpft. Nach 1945 war der Begriff belastet. Man spricht heute lieber von Kompetenzen.

Auch wir im Zahlenland arbeiten selbstverständlich kompetenzorientiert. Wenn ein Kind den Zahlenweg sicher geht oder die Möbel einer Zahlenwohnung erklärt, zeigt es eine Kompetenz. Aber wir sollten weiterfragen: Welche Denkfähigkeiten ermöglichen dieses Können? Wie lassen sich diese Fähigkeiten gezielt aufbauen?

Hier lohnt es sich, über Intelligenz zu sprechen. Denn die neurowissenschaftliche und psychologische Forschung zeigt: Frühe Erfahrungen beeinflussen die kognitive Entwicklung deutlich.

Intelligenz ist kein unveränderlicher Block. Sie entwickelt sich.

Was unterscheidet natürliche von künstlicher Intelligenz?

Künstliche Intelligenz berechnet Wahrscheinlichkeiten. Sie wählt statistisch passende Antworten.

Natürliche Intelligenz ist etwas anderes: Sie entsteht durch soziale Interaktion.

Innerhalb der natürlichen Intelligenz ist die menschliche Intelligenz noch einmal besonders. Wenn ein Kind im Zahlenland staunt, ist dieses Staunen nicht nur Begleitmusik, sondern Teil des Lernens.

KI berechnet. Menschliche Intelligenz ist emotionsgebunden und entwickelt sich durch soziale Interaktion.

Was passiert im Kopf eines Kindes im Zahlenland?

Wenn Kinder das Zahlenland entdecken, passiert weit mehr als Zahlenlernen. Es werden kognitive Grundfähigkeiten aufgebaut, die Bestandteile intelligenter Leistungen sind.

Ein Beispiel ist der Zahlenweg mit geschlossenen Augen. Das Kind steht auf der Drei, schließt die Augen und weiß: Vor mir ist die Vier, hinter mir die Zwei. Der Zahlenweg wird im Kopf präsent. Aus Gehen wird Vorstellen. Das ist mentale Repräsentation.

Ein weiteres Beispiel ist der Fehlerteufel: Das Kind bemerkt, dass etwas nicht stimmt, erkennt die Abweichung und korrigiert sie. Dafür braucht es Aufmerksamkeitssteuerung, Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle und Handlungsplanung. Solche Prozesse gehören zu den exekutiven Funktionen, die wichtige Prädiktoren für schulisches Lernen sind.

Auch die Holzstäbe zeigen, wie Mathematik ganzheitlich erfahrbar wird. Drei Stäbe werden zum Dreieck, fünf zum Fünfeck, und plötzlich entsteht daraus ein Stern. Das Kind erlebt Geometrie mit den Händen. Raumvorstellung ist ein sehr bedeutsamer Bestandteil kognitiver Leistung.

Macht Bildung Kinder intelligenter?

Der Intelligenzbegriff hat eine interessante Geschichte. Mit dem Ausbau der Schulbildung Anfang des 20. Jahrhunderts wurde deutlicher sichtbar, dass Kinder sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen mitbringen. Alfred Binet entwickelte 1905 im Auftrag der französischen Regierung ein Verfahren, um unterschiedliche kognitive Leistungen zu erfassen und Förderbedarf besser zu erkennen. Schulen sollten besser verstehen, wo Unterricht angepasst werden muss, damit mehr Kinder ihre Denkfähigkeiten weiterentwickeln können.

Wichtig ist: Bildung soll Denkfähigkeiten entwickeln, und zwar Jahr für Jahr. Das geschieht in guter Kita-Arbeit durch soziale Interaktion, Sprache, Spiel, Bewegung und Sinneserfahrung.

Die Projekte Entenland, Zahlenland und Zahlenwald von Prof. Preiß setzen hier gezielt an:

  • Kognitive Grundfähigkeiten aufbauen
    Sie fördern bei Kindern Simultanerfassung, räumliches Vorstellungsvermögen, Mustererkennung und mentale Repräsentation. Sie stärken nicht nur Grundlagen für das Verständnis von Mathematik, sondern für natürliche Intelligenz.
  • Neurodidaktisch arbeiten
    Prof. Preiß hat 1988 den Begriff „Neurodidaktik“ geprägt. Die Projekte helfen, Hirnforschung in Praxis umzusetzen: Wiederholung mit Variation, Multisensorik, Emotion und Kognition Hand in Hand.
  • Systematisch Kinder begleiten
    Die Lerneinheiten im Zahlenland, Entenland oder Zahlenwald bauen aufeinander auf. Sie begleiten vom Konkreten zum Abstrakten und verbinden Wahrnehmung, Handlung und Denken.

Natürliche Intelligenz dient Klugheit.

Mein Vater, Gerhard Preiß, hat sich intensiv mit Intelligenz beschäftigt, aber sie selten direkt adressiert. Denn: Intelligenz ist kein Selbstzweck. Sobald Intelligenz angewendet wird, erhält sie einen Zweck und ist normativ eingebettet. Führt Intelligenz zu einer klugen Entscheidung?

  • Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, Muster zu erkennen, Probleme zu lösen, abstrakt zu denken und aus Erfahrung zu lernen.
  • Klugheit beschreibt, wie jemand diese Fähigkeiten einsetzt: abwägend, verantwortlich und umsichtig.

Man kann hochintelligent sein und trotzdem unkluge Entscheidungen treffen. Aber klug sein ohne ein Mindestmaß an Intelligenz ist kaum möglich.

Die Arbeit mit den Preißschen Projekten fördert beides: Intelligenz, indem sie Denkstrukturen aufbaut. Und Klugheit, indem sie Rollenübernahme, Verantwortung und sprachliches Begründen anregt und Freude am Denken vermittelt.

Gerhard Preiß hat es so formuliert: „Es geht darum, für jedes Kind optimale Bedingungen für die Entwicklung seiner geistigen Kräfte zu schaffen.”

Natürliche Intelligenz braucht uns!

Sprechen wir über natürliche Intelligenz. Ihre Förderung beginnt in der Kita. Sie braucht Aufmerksamkeit und soziale Interaktion. Jemanden, der hinschaut. Der merkt, wann ein Kind bereit ist für den nächsten Schritt. Der sieht, dass ein Kind heute zum ersten Mal die Drei auf einen Blick erfasst hat. Der den „Aha!“-Moment feiert und vorlebt, dass Denken Freude macht.

Wer es ernst meint mit natürlicher Intelligenz, muss in die Menschen investieren, die sie fördern. Das bedeutet: gute Rahmenbedingungen, Zeit, Fortbildung und Wertschätzung.

Kümmern wir uns um natürliche Intelligenz.

Herzliche Grüße
Gabi Preiß