Was Zahlenland-Kinder in die Grundschule mitbringen
und wie ganzheitliches Lernen im Mathematikunterricht weitergeführt werden kann.
Zahlenland-Kinder beginnen den Mathematikunterricht nicht bei Null. Sie bringen Vorstellungen von Zahlen mit. Sie kennen den Zahlenweg. Sie haben Zahlen handelnd, sprachlich und mit Bewegung erlebt. Viele Lehrkräfte der ersten Klassen wissen allerdings nicht, welche mathematischen Erfahrungen diese Kinder bereits mitbringen.
Liebe Erzieherinnen und Erzieher,
wenn Sie mit Kindern das Zahlenland besucht haben, dann haben Sie etwas Wertvolles getan, das weit über den Kindergartenalltag hinaus wirkt. Was die Kinder in dieser gemeinsamen Reise erlebt, entdeckt und verinnerlicht haben, tragen sie mit in die Schule.
In diesem Artikel fasse ich zusammen,
- was die Kinder im Zahlenland erlebt haben,
- was sich mit dem Schuleintritt ändert
- und wie das ganzheitliche Lernen im Zahlenland für Grundschulkinder fortgesetzt werden kann.
Was die Kinder erlebt haben
Mathematik wird im Zahlenland nicht erklärt. Sie wird erlebt.
Vorstellungen von Zahlen, vom Rechnen, von Form und Raum entstehen durch Wahrnehmung und Handlung. Die Kinder bauen, gehen, erzählen und entdecken gemeinsam. Was dabei entsteht, sind tragfähige Grundvorstellungen: von Zahlen, ihrer Ordnung und ihren Anwendungen in der Welt.
Dieses pädagogische Konzept entwickelte Professor Gerhard Preiß ursprünglich für Kinder mit geistigen Behinderungen. Auf der Grundlage neurodidaktischer Erkenntnisse entstand daraus ein Programm, das sich seit über zwanzig Jahren in Kindergärten bewährt: handlungsorientiert, sprachbegleitend, bewegungsreich und vor allem kindgemäß.
Kein Wunder, dass die Kinder ihre Reise ins Zahlenland lieben. Sie erleben sich als kompetent, als Teil einer Gemeinschaft und als Entdeckerinnen und Entdecker.
Drei Erfahrungsfelder, die tragen
Der Aufbau der mathematischen Inhalte erfolgt in drei Handlungs- und Erfahrungsfeldern.
Im Zahlenhaus bauen die Kinder gemeinsam ein Haus für die Zahlen. Sie richten Wohnungen ein, wählen Möbel aus und „besiegen“ den Fehlerteufel. So entwickeln sie Schritt für Schritt einen echten Zahlbegriff. Nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Handlung, Sprache und Erleben.
Auf dem Zahlenweg, den sie selbst aus Teppichfliesen legen, bewegen sie sich, zählen und orientieren sich: weiter und zurück, in jede Richtung und von jeder Zahl aus. Sicher. Mit dem ganzen Körper.
In den Zahlenländern reisen sie vom Einerland bis ins Fünferland, manchmal sogar bis ins Zehnerland. Am Tor überlegen sie: Wo begegnet mir diese Zahl? In meiner Familie, in der Natur, in meiner Umgebung? Sie entdecken die Spuren der Zahlen bei Tieren und Pflanzen, in Geschichten und Rhythmen.
So beantworten die drei Erfahrungsfelder drei grundlegende Fragen:
- Das Zahlenhaus: Was ist eine Zahl?
- Der Zahlenweg: Welche Ordnung herrscht bei den Zahlen?
- Die Zahlenländer: Wo begegnen wir den Zahlen in unserer Welt?
Alle drei Felder werden durch sorgfältige Sprache begleitet. Denn Denken und Sprache sind untrennbar verbunden. Die Kinder haben Rollen übernommen und als ZAHL, Helfer, Torwächter oder Hausmeister in ritualisierten Situationen gelernt, Sprache als Werkzeug des Denkens zu nutzen. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine wichtige Grundlage für Lernen.
Was sich mit dem Schuleintritt ändert
Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist für jedes Kind ein großer Schritt.
- Im Kindergarten lernen Kinder auf natürliche Weise: durch Spielen, Nachahmen und Erkunden. Sie müssen das Lernen nicht erst lernen. In der Schule verändert sich das grundlegend.
- Freie Bewegung weicht dem festen Sitzplatz. Der Außenbereich als Lernort verschwindet fast vollständig.
- Der spontane Körperkontakt zur Erzieherin, im Kita-Alltag jederzeit möglich, wird in der Schule geregelt und selten.
- Und mathematisch dreht sich der Ausgangspunkt um: Im Kindergarten beginnt jede Aufgabe mit einer Handlung und führt erst behutsam zur Symbolsprache. In der Schule ist es oft umgekehrt. Das Problem wird in Zahlen und Zeichen gestellt, und die Kinder sollen es mit Vorstellungen lösen.
Das ist keine Kritik an der Schule. Es ist ihre Realität.
Aber es zeigt: Je besser die Vorerfahrungen der Kinder, desto leichter gelingt dieser Übergang. Zahlenland-Kinder sind gut vorbereitet. Sie haben Zahlen nicht nur gehört. Sie haben ihre Wahrnehmung für Zahlen geschärft, sie in Handlungen erfahren und in Sprache gefasst.
Sind unterschiedliche Vorerfahrungen ein Reichtum oder ein Problem?
Nicht alle Kinder einer Klasse haben das Zahlenland besucht, und nicht alle Kitas sind gleich weit gereist. Manche Kinder kennen den Zahlenraum bis fünf oder zehn gut, andere bis zwanzig und darüber hinaus. Manche haben bereits Vorstellungen zur Zahlzerlegung und zum Zehnersystem, andere kaum.
Kinder, die die „Entdeckungen im Zahlenland“ von Prof. Preiß besucht haben, bringen Ideen, Bilder und Erfahrungen mit, von denen die ganze Klasse profitiert. Unterschiedliche Vorerfahrungen sind dabei kein Hindernis, sondern eine Bereicherung:
Mathematik lernt man nicht alleine. Man lernt sie gemeinsam. Und genau dafür sind diese Kinder gut vorbereitet.
Die Reise muss nicht enden. Sie kann weitergehen.
Viele Lehrerinnen und Lehrer der ersten Klasse beginnen den Mathematikunterricht so, als würden alle Kinder bei Null starten. Sie wissen nicht, welche mathematischen Erfahrungen die Kinder bereits mitbringen. Das ist verständlich, aber schade. Denn die Vorerfahrungen der Zahlenland-Kinder lassen sich wunderbar aufgreifen und weiterführen.
Genau dafür haben wir das Zahlenland für die Grundschule entwickelt: bewährte, praxiserprobte Ideen für den Anfangsunterricht in Klasse 1, die nahtlos an das anknüpfen, was die Kinder aus dem Kindergarten kennen und lieben. Dieselben Bilder, dieselbe Sprache, dieselbe Freude. Jetzt aber als Mathematikunterricht im Klassenzimmer.
Wenn Sie möchten, dass die mathematischen Erfahrungen Ihrer Vorschulkinder auch in der Schule weiterwirken, helfen Sie mit. Geben Sie den Klassenlehrkräften Ihrer Schulanfänger unser Informationsblatt weiter. Es zeigt, welche mathematischen Vorerfahrungen die Kinder bereits mitbringen und wie diese im Mathematikunterricht aufgegriffen und weiterentwickelt werden können.
Unser Informationsblatt für Lehrkräfte der ersten Klassen können Sie hier herunterladen:
→ PDF herunterladen
Alle Informationen zum Zahlenland für die Grundschule finden Sie unter zahlenland-schule.de.
Mit vielen Grüßen
Gabi Preiß
Bad Camberg im Juni 2026.
Gabi Preiß ist Verlegerin und Leiterin des Fortbildungsinstituts Zahlenland Prof. Preiß. Sie führt das Werk ihres Vaters, Professor Gerhard Preiß, weiter.