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„Ich nehm einfach das kostenlose ChatGPT“ – über private KI-Accounts im Kita-Alltag

16. Juni 2026/in Susannes Blog: KI für Kitas

 „Ich nehm einfach das kostenlose ChatGPT“ – über private KI-Accounts im Kita-Alltag

Hallo ihr Lieben,

es gibt diesen einen Moment, der mir inzwischen in fast jeder Fortbildung begegnet. Wir sind mittendrin im Thema KI. Die Stimmung ist offen und neugierig, und dann erzählt mir eine Fachkraft, meistens ein bisschen stolz, manchmal auch ein bisschen verschwörerisch, wie sie das zu Hause macht: „Ich setz mich abends hin, mach mein ChatGPT auf dem Handy auf, tipp die Beobachtungen ein, und schwupps hab ich meinen Entwicklungsbericht.“

Und wisst ihr was? Ich verstehe das so gut. Diese Erleichterung ist echt. Sie ist nicht eingebildet, sie ist nicht faul, sie ist absolut nachvollziehbar. Wer abends nach einem vollen Kita-Tag noch vor einem Stapel Doku sitzt, der greift dankbar nach jedem Werkzeug, das hilft. Deshalb fange ich heute auch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger an. Sondern mit einer ehrlichen Beobachtung und mit einem blinden Fleck, über den wir viel zu selten sprechen: ChatGPT in der Kita läuft fast immer über den kostenlosen, privaten Account. Und genau da liegt der Haken.

Warum es immer ChatGPT ist (und fast nie etwas anderes)

In meinen Fortbildungen merke ich jedes Mal: Für die meisten ist KI gleich ChatGPT. Andere Werkzeuge? Kennt kaum jemand. Das ist auch kein Wunder: ChatGPT ist das bekannteste, das erste, über das alle geredet haben. Es ist kostenlos, schnell, kein großes Setup, einfach Handynummer rein und los.

Diese niedrige Einstiegshürde ist Fluch und Segen zugleich. Segen, weil sie so vielen den ersten Kontakt mit KI überhaupt ermöglicht hat. Fluch, weil dabei eine Frage komplett unter den Tisch fällt: Was passiert eigentlich mit dem, was ich da eintippe?

Und ehrlich – das ist keine Allgäuer Besonderheit. Eine große MIT-Studie (Project NANDA, 2025) hat gezeigt: In über 90 % der Unternehmen nutzen Mitarbeitende private KI-Konten für die Arbeit, meist ohne dass die Leitung oder die IT davon weiß. Eine zweite Erhebung (TELUS Digital, 2025) hat nachgehakt, was da eingetippt wird: 57 % der Befragten haben schon mindestens einmal sensible Informationen eingegeben; und fast ein Drittel davon waren personenbezogene Daten.

Übersetzt in unsere Welt heißt das: Es sind keine Quartalszahlen, die da reinwandern. Es sind Kindernamen. Diagnosen. Familiensituationen. Genau die Daten, für die wir die strengste Schweigepflicht überhaupt haben.

Der blinde Fleck: Was der kostenlose Account mit euren Daten macht

Hier kommt der Teil, über den in den Fortbildungen fast nie jemand nachgedacht hat. Bei einem kostenlosen, privaten ChatGPT-Account gilt standardmäßig: Eure Eingaben können zur Verbesserung, sprich, zum Training der KI weiterverwendet werden, solange ihr das nicht aktiv in den Einstellungen abschaltet. Das Tippen fühlt sich an wie eine private Notiz. Ist es aber nicht. Es ist eher wie ein Zettel, den ihr in einen großen, fremden Kopierer legt, der irgendwo auf der Welt steht und ihr wisst nicht so genau, wer da noch Zugriff hat.

Und jetzt die unbequeme Wahrheit aus DSGVO-Sicht: Eure Kita ist eine verantwortliche Stelle. Sobald personenbezogene Daten von Kindern und Familien verarbeitet werden, braucht es eine saubere rechtliche Grundlage, bei externen Tools in der Regel einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AVV). Den habt ihr mit eurem privaten Gratis-Account schlicht nicht. Es ist also nicht „ein bisschen heikel“. Es ist datenschutzrechtlich ein echtes Problem.

Warum wir trotzdem darüber hinwegsehen

Weil die Entlastung so verlockend ist. Genau das beschreibt die TELUS-Studie auch: 60 % sagen, KI macht sie schneller, und über 80 % wollen sie auf keinen Fall mehr hergeben. Der Nutzen ist sofort spürbar, das Risiko ist unsichtbar, abstrakt und passiert „ja eh nie“. Unser Gehirn liebt die sofortige Belohnung und blendet das diffuse Später gern aus. Das ist menschlich. Aber bei Kinderdaten dürfen wir es uns nicht leisten.

Und, auch das gehört zur Ehrlichkeit, es hat den Fachkräften meistens einfach niemand gesagt, wie es richtig geht. Dieselbe Studie zeigt: Nur ein Viertel hatte je eine verpflichtende Schulung, fast die Hälfte wusste nicht mal, ob es überhaupt Regeln gibt. Das ist kein Fachkräfte-Versagen. Das ist eine Lücke in der Begleitung.

Das große ABER: Die Lösung ist kein Verbot

Jetzt würdet ihr vielleicht erwarten, dass ich sage: „Finger weg von KI!“ Tue ich aber nicht. Verbote treiben die Nutzung nur in den Untergrund, wo niemand mehr hinschaut, und die Entlastung, die echt gebraucht wird, fällt einfach weg. Das hilft niemandem.

Was wirklich hilft, sind drei ziemlich einfache Dinge:

  1. Keine echten Namen, keine echten Daten ins Prompt. Macht es anonym. „Ein 3-jähriges Kind läuft erstmals frei die Treppe hoch“ funktioniert für einen Textentwurf genauso gut wie der echte Name und niemand kann es zurückverfolgen. Das ist die wichtigste Gewohnheit überhaupt.
  2. Datenschutzkonforme Tools statt Privat-Account. Es gibt KI-Werkzeuge, die für den professionellen, datenschutzkonformen Einsatz gedacht sind (im pädagogischen Bereich wird zum Beispiel oft Fobizz genannt). Der Unterschied: Hier gibt es die rechtliche Grundlage, die ihr für Kinderdaten braucht. Prüft das bitte konkret für eure Einrichtung und mit eurem Träger, das ist die saubere Variante.
  3. Eine klare Absprache im Team – bevor das erste Mal jemand tippt. Wer nutzt was, wofür, und was kommt auf keinen Fall rein? Diese Vorbereitung im Team erspart euch hinterher viel Ärger.

Mein Herzens-Fazit

KI darf in die Kita. Aber sie muss durch die Vordertür kommen, nicht heimlich durch die Hintertür über den privaten Handy-Account am Küchentisch. Das Werkzeug ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir es bisher ohne Leitplanken benutzen.

Und das Schöne ist: Diese Leitplanken nehmen euch die Entlastung nicht weg. Sie machen sie erst sicher, damit ihr mit gutem Gewissen Zeit spart für das, was wirklich zählt: das Kind, das gerade einen großen Moment hat, und euren Blick, der nur deshalb so frei sein kann, weil ihr die Routine im Griff habt.

Ihr wollt das richtig lernen – Schritt für Schritt, praktisch und ohne Technik-Panik? Genau dafür gibt es mein Webinar „KI für Kitas“. Wir schauen uns gemeinsam an, welche Tools datenschutzkonform sind, wie ihr sicher promptet und wie ihr im Team klare Regeln findet, mit denen sich alle wohlfühlen. Alle Infos findet ihr hier:

👉 Alle Infos und Termine findest du hier: www.zahlenland.info/ki-fuer-kitas/

Und jetzt bin ich ehrlich neugierig: Läuft KI bei euch schon über den Küchentisch und den privaten Account oder habt ihr im Team schon Regeln gefunden? Schreibt mir gern an susanne.beckers@zahlenland.info, ich lese alles!

Herzlichst,

Eure Susanne

***

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Schlagworte: chatgpt, EU KI Verordnung, EU-AI-Act, KI für Kitas, KI in der Kita, KI in Kitas, KI-Kennzeichnungspflicht, künstliche Intelligenz, privater KI-Account
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