Erfahrungen mit dem Entenland in der Förderschule

Erfahrungen mit dem Entenland in der Förderschule

Die „Entdeckungen im Entenland“ haben eine Reihe von Besonderheiten, die sie für den Einsatz in der Förderschule oder im integrativen Unterricht besonders geeignet sein lassen:

  • Erlernen der pränumerischen Kompetenzen mit allen Sinnen: viel Eigenbeteiligung der Schüler, viel Bewegung im Raum, wenig Ausfüllen von Arbeitsblättern…
  • Das mathematisch-didaktische EIS-Prinzip von Bruner findet besondere Beachtung. Vor allem der enaktive und auch der ikonische Aspekt stehen im Mittelpunkt, damit die Schüler eine gesicherte Basis erarbeiten können, auf der sich auch grundlegende numerische Kompetenzen aufbauen lassen,
  • Eine aufgeräumte und weitgehend stabile Lernumgebung, in der die Schüler sich sicher fühlen können und dadurch ihre Neugier entfalten können,
  • Wiederholungen helfen, dass sich die Fähigkeiten festigen und ermöglichen auch Schülern, die z.B. wegen Krankheit abwesend waren, einen relativ problemlosen Wiedereinstieg,
  • Der Einsatz aller Sinne und die im Vordergrund stehende Selbsttätigkeit ermöglichen den Schülern, auch sprachfrei mathematische Leistungen zu zeigen.

Doch auch wenn sich das „Entenland“ schon in seiner von Prof. Preiß erdachten Ursprungsform sehr gut für den Einsatz mit Förderschülern eignet, gibt es doch einige Erfahrungen, die leichte Variationen geeignet erscheinen lassen.

Diese meine praktischen Erfahrungen sind sicher keine allgemein gültigen Vorgaben nach dem Motto: „Arbeitest Du mit Förderschülern, dann musst Du das genau so machen!“, sondern eher Hinweise und Ideen, die man je nach Gruppe und Entwicklungsstand der einzelnen Schüler ausprobieren und abwandeln kann.

Als ich das erste Mal die Entdeckungen im Entenland mit einer Gruppe von Erst- und Zweitklässlern durchgeführt habe (7-8 Jahre, ca. 8 Schüler, Einstufung „leichte geistige Behinderung“), so habe ich mich weitestgehend an den Leitfaden halten können. Zum Ende des Schuljahres konnten wir in das Zahlenland einsteigen, auch dort lief (fast) alles nach „Plan“.

Im Schuljahr 2018/19 habe ich das Entenland in einem Förderkindergarten durchgeführt, dort mit 4 Gruppen. Die Schüler haben ein Alter von 5-7 Jahren, ihr Entwicklungsstand ist sehr unterschiedlich, viele haben recht ausgeprägte autistische Störungen, Probleme in der mündlichen Kommunikation und teilweise zusätzlich im rein physischen Bereich.  

Anpassungen

In diesen Gruppen musste ich mehr Anpassungen vornehmen, damit die Schüler bestmöglich von den Aktivitäten profitieren konnten.

Im Einzelnen habe ich folgende Dinge etwas anders gemacht:

  • Die Dauer der Einheiten wurden auf ca. 30 Minuten beschränkt, mehr ließ die Aufmerksamkeitsspanne meist nicht zu,
  • (als Konsequenz des ersten Punktes) die Inhalte der Lerneinheiten in kleinere Häppchen aufgeteilt, unterschiedlich je nach Gruppe,
  • Es war oft hilfreich, wenn ich die Materialien, die gerade nicht gebraucht wurden, zurück in die geschlossene Materialkiste gelegt habe, da einige Kinder sich nicht so schnell von den gerade verwendeten Materialien trennen konnten und erst nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ bereit für neue Aktivitäten waren,
  • Da bei vielen Kindern die Vorstellungskraft nicht besonders gut entwickelt ist, habe ich den narrativen Aspekt eingeschränkt (auch aus Zeitgründen). Trotzdem bin ich für eine Reihe von Kindern „Herr Ente“. Die Ente Oberschlau hat ihren festen Platz, auch wenn die Kinder zunächst sehr verwirrt waren, dass ein Erwachsener so offensichtliche Fehler macht. So trauten sie sich erst nur sehr zögerlich, die Ente Oberschlau zu verbessern und auf ihre Fehler hinzuweisen. Jetzt ist die Figur bekannt und die Schüler wissen, dass sie auf Fehler „lauern“ sollen,
  • Der Hinweis von Comenius, dass „Wiederholungen Vater und Mutter des Gedächtnisses“ sind, war für „meine“ Schüler in besonderem Maße relevant. So habe ich immer wieder kurze Wiederholungen aus Lerneinheiten eingestreut, die schon länger her waren (z.B. Sortieren nach Farben), und das hat sich für eine Reihe von Schülern als notwendig und hilfreich erwiesen,
  • Prof. Preiß hat immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig Selbstständigkeit und Selbstständigkeit der Schüler sind, damit sie ihre Kompetenzen entwickeln und festigen können. Leider spielt uns manchmal das (in meinen Augen) lehrertypische „Helfersyndrom“ einen Streich: wir lassen den Kindern dann nicht genug Zeit, die Aktivitäten selbstständig durchzuführen, weil wir ihnen (manchmal etwas ungeduldig) helfen wollen und die Aktivitäten an ihrer Stelle ausführen oder ihre Hand „diskret“ dahin führen, wo sich die richtige Lösung „versteckt“… Meine/ unsere Geduld ist da in besonderem Maße gefordert.
  • In diesem Zusammenhang ist mir immer wieder aufgefallen, dass manche Kinder in einer Art „innerer Dialog“ z.B. Gegenstände zunächst in den „falschen“ Reifen einsortieren, dann auch Zeit brauchen um mit den schon vorhandenen Dingen zu vergleichen, und sich erst dann dem richtigen Reifen zuwenden. Wieder eine harte Probe für meine/ unsere Geduld…

Zusammenfassend kann ich aus diesen Erfahrungen heraus zweifelsfrei sagen, dass sich der Einsatz der „Entdeckungen imEntenland“ nach Prof. Preiß sehr bewährt hat:

  • die Schüler haben in aller Regel gerne an den Aktivitäten teilgenommen,
  • oft war es so, dass uns die Kinder mit ihren erworbenen Fähigkeiten überrascht haben und dass sie zunehmend versucht haben, auch die sprachlichen Rituale mitzuvollziehen,
  • immer wieder gab es Aktivitäten, die auch die zurückgezogensten Kinder „aus der Reserve gelockt“ haben und sie zum aktiven Mitmachen verleitet haben.

Umfrage bei den Lehrkräften 

Ich habe auch noch bei den 8 beteiligten Lehrkräften eine kleine Umfrage gemacht, um sie auch nach ihren Eindrücken, Einschätzungen und den eventuellen Wirkungen bei den Kindern zu befragen.

Einige Schwerpunkte der Antworten möchte ich im Folgenden noch anführen:

    • die Kinder haben in der Regel begeistert mitgemacht
    • Fortschritte gab es vor allem im Umgang mit den geometrischen Figuren, aber auch in der Raumorientierung zu verzeichnen, aber auch in der aufkeimenden Motivation, Dinge zu zählen, abzuzählen und auszuzählen
    • Meist war das Niveau der Aktivitäten dem Entwicklungsstand der Kinder angepasst,
    • das unbekannte und neuartige Material erscheint den Lehrkräften minutiös durchdacht um die angestrebten Kompetenzen zu erreichen
    • ab und zu erschienen die Aktivitäten zu lang (für manche Kinder)

Reiner Mattar,

Luzino, Oktober 2019.